Arzt4Empfaenger's Blog

November 27, 2014

Ein Dauerthema (leider) – Hebammen müssen bleiben!

Filed under: Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 4:27 pm

Via Kinderdoc:

http://www.hebammenblog.de/hebammenprotest-das-sterben-geht-weiter/

 

Und nebenbei:

http://www.kidsgo.de/schwangerschaft-geburt/geburtshaeuser-sicher-wie-kliniken.php

„„Wenn sich werdende Eltern für die Geburt ihres Kindes in einem Geburtshaus entscheiden, so ist dies ebenso sicher und qualitativ hochstehend wie die Geburt im Krankenhaus““

Februar 25, 2011

Petition: Arzneimittelwesen – Abgabe von Betäubungsmitteln durch Ärzte in bestimmten Fällen

Filed under: Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 10:05 pm

Petition: Arzneimittelwesen – Abgabe von Betäubungsmitteln durch Ärzte in bestimmten Fällen*

Ethisch-moralisch unhaltbare Zustände: Akzeptanz der Versorgungslücke mit BTM oder Straftatbestand bei Abgabe von BTM an schwerstkranke Patienten (man denke an Palliativpatienten bzw. palliative Notfälle) unter Wahrung des Berufsethos? Die Wahl sollte einfach sein.

[*Die Registration ist schnell und kostenlos.]

November 8, 2010

Gastarbeiter. Oder: der humanitäre Zipfel

Filed under: gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:37 pm

Das ist der Hammer!

Chinesische Studenten überbrücken Personalmangel in den Kliniken (Artikel: „Personalnot: Chinesen helfen den Kliniken“, Quelle: rp-online.de).

Da mußte ich gleich an unsere wirklich kompetente, internationale Studentengruppe aus dem diesjährigen Austauschprogramm denken – von denen hätte man doch auch gleich einige anwerben können. Nee, aber echt…

In Berlin gibt es wenigstens nur Gemunkel, daß demnächst (fraglich qualifizierte, da hier oft ausgebeutete und schlecht angeleitete) Assistenzärzte ins Brandenburger Umland verliehen werden sollen… dort steht dann Charité drauf, der Name ist aber eben oft mehr Schein als Sein. (Die Aus- und Weiterbildungsmängel seien natürlich – wie immer – nur ein temporäres Problem, normalerweise laufe das alles ganz anders etc. pp. Wer die Uni von innen kennt, weiß, daß der Name einer der berühmtesten sein mag, sowohl die Ausstattung in der Klinik als auch die Lehre jedoch von anderen Unis getoppt werden. Na ja, auch das könnte eine ganze Frustrede füllen.)

Um auf das Einstiegsthema und den Personalmangel zurückzukommen: ich bin vielleicht naiv, aber ich denke, daß die einzige langfristige Lösung eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Assistenz- aber auch alle anderen Ärzte sein wird.
Während manche Kliniken stillschweigend kostenintensive Honorarkräfte beschäftigen (keine Kritik, Tatsache! Über das Relativieren des Honorares über eigene Versicherungen etc. möchte ich an dieser Stelle nicht viel schreiben), weil es Ihnen peinlich zu sein scheint, daß auch Sie unter Personalmangel leiden, holen sich andere ganz offen Ersatz aus dem Ausland. Ist Letzteres im Gesundheitssystem akzeptabler? Vielleicht weil man es als „Förderung“ und „kulturellen/internationalen Austausch“ deklarieren kann? Weckt es mehr Vertrauen der Patienten, festangestellte „Importärzte“ zu präsentieren als zu einheimischem (zugegebenermaßen oft aber auch aus dem benachbarten Umland eingereisten) Zeitarbeitern (Honorarärzten) zu stehen?

…Mal abgesehen davon, daß der prämedizierende Arzt sowieso nicht unbedingt derjenige ist, der am nächsten Tag die Narkose leitet, und auch die normalen Stationsärzte öfter mal wechseln… aber das scheint den Patienten nicht bewußt zu sein, sonst wären sie nicht durch einen – Hilfe! – nicht fest angestellten Arzt(!! Wie kann das sein?!) zu verunsichern. In manchen Kliniken, die ich gesehen habe, war der Honorarzt kompetenter als die hauseigenen (das ist natürlich nicht die Regel, sondern ein provokantes Beispiel!).

Politiker und Klinikleiter klagen scheinbar endlos über den Ärztemangel, inzwischen beschweren sich anscheinend schon angestellte Kollegen, daß das Arbeitsklima unter zeitweise eingestellten Freiberuflern leiden würde, da diese die Position der Festangestellten untergraben würden.

Ich bin zwar noch nicht am Ende des Studiums angelangt, aber habe dazu auch eine Meinung. Pro und Kontra des Honorararztwesens seine jetzt kurz außen vor gelassen.

Wenn es doch genügend FÄ und alte CÄ gibt, die aus Frust über das Management und die Bürokratisierung der Arbeitsweise aus dem Klinikalltag aussteigen, und zunehmend Assistenten in bessere Gefilde abwandern (sei es „besser“ im Sinne des monetären Gewinns, der Familienfreundlichkeit/Freizeit, der Arbeitsatmosphäre, der Weiterbildung und Betreuung o.ä.), wieso soll das per se ein Unterwandern der eigenen Kollegen sein? Es ist doch eine Chance, den Kliniken dauerhaft klarzumachen, daß das einzige Mittel gegen die „Arztflucht“ das Angebot anständiger Arbeitsbedingungen ist. Natürlich werden die verbleibenden, angestellten Assis erst einmal weiter ausgebeutet, aber sie lassen es ja auch mit sich machen, trotz des guten Arbeitsmarktes. Heutzutage stapeln sich nicht auf jedem Chefarzttisch dreißig Bewerbungen, selbst als frischapprobierter Arzt hat man heute oft die Freiheit, sein Fachgebiet und seinen Arbeitsplatz mehr oder weniger frei zu wählen – das war noch in der letzten Arztgeneration anders! Mediziner, auch junge, gehören aber laut Tradition eher zu den konservativen Menschen, die gerne ihre Schäfchen im Trockenen haben. Der pure Gedanke an Stellenwechsel oder gar Freiberuflichkeit sorgt bei Vielen bestimmt für das panikartige Aufstellen der Nackenhaare. 😉

Änderungen geschehen eben nicht über Nacht, es ist ein zäher, langwieriger Prozeß, gerade im eher konservativen, verstockten Gesundheitswesen. Aber es ist ein Trend, der sich abzeichnet. Natürlich wird es nicht morgen schon traumhafte Arbeitsbedingungen für alle Assistenz- und Ärzte geben. Schon gar nicht wird es morgen rein honorarärztlich geführte Kliniken geben (obwohl dies logistisch möglich wäre). Leider ist die Loyalität unter Ärzten genauso, wie sie unter Medizinstudenten ist, und genauso, wie die Güte der Fragen des IMPP – oft weniger als wünschenswert.

Unzweifelhaft kann man nicht einfach alle Kliniken in DE stillstehen lassen, schon aus moralischen und ethischen Gründen den Kranken gegenüber. Auf der anderen Seite ist es genau der letzte, humanitäre Zipfel, an dem das Gesundheitswesen selbst die Streberabsolventen packt. Das bißchen Restloyalität den Kollegen gegenüber wird oft zur Falle, leichter lebt in diesem Fall, wer im Kollegenkreis keine Freunde hat. Warum? In einer Famulatur konnte ich genau das beobachten: praller Dienstplan, zu wenig Ärzte, Deckung der planmäßigen Lücken (so muß man es sehen) durch Appell der Ärzteschaft untereinander – „Wenn Du den Dienst nicht übernehmen kannst (obwohl Du frei hast, schon XY Überstunden hast etc.), muß Dein Kollege die ganze Station alleine schmeißen. Es gibt sonst niemanden!“
Das ist, um es ketzerisch zu vereinfachen, „Emotional Blackmail“. Selbst wenn man z.B. krank ist oder sich Pandaaugen durch eine Überzahl an Diensten erarbeitet hat, soll man sich schlecht fühlen, nicht zur Arbeit erscheinen zu können, denn man belastet ja die Kollegen. Daß die Klinikleitung bei absolutem Personalmangel (wenn wirklich kein OA/CA mehr zur Verfügung steht, um das Loch zu stopfen) jederzeit einen Honorararzt einstellen könnte, wird gleichzeitig als Geldschneiderei und unannehmbar gesehen. Das verstehe ich einfach nicht.
Ich bin auch ein Typ, den man ausbeuten kann, wenn man über die menschliche Schiene geht, das ist eine Schwäche von mir, ein Mangel an Nein-Sagen-Festigkeit, den ich noch in adäquatem Maß auszugleichen hoffe. Oder ich lerne, zu bluffen und einfach Nein zu sagen, auch wenn ich es nicht meine. Insofern liegt mir eine Regelung des Ganzen auch am Herzen. ;-P

Eine absterbende Klinik mit teuren Honorarärzten über Wasser zu halten, weil einfach niemand mehr im Kaff arbeiten will, mag suboptimal und keine Dauerlösung sein.
Belastungsspitzen mit Honorarärzten abzufangen, um das hauseigene Team zu entlasten, anstatt es zu knechten, bis es das Handtuch wirft, ist doch Sinn und Zweck der Honorararzttätigkeit!
Im Ausland und auch hier gibt es im Bereich der Pflege z.B. seit langem sogenannte „Springer“, die dann gerufen werden, wenn es im Haus knapp wird. Manche Schwestern arbeiten ausschließlich als Springer und sind in Ihrer Freizeit auf Abruf, haben aber natürlich eine gewisse, theoretische Unsicherheit in der Regelmäßigkeit Ihrer Beschäftigung. Aber es funktioniert! Warum ist das gleiche Konzept bei Ärzten inakzeptabel? Nicht gesellschaftsfähig? Das ist unlogisch!

Wie bin ich überhaupt darauf gekommen? (Ich bin leider gerade krank und etwas unkonzentriert, daher meine Entschuldigung für wirre Gedankensprünge) Es irritiert mich irgendwie ungemein, daß der unkonventionelle Honorararzt im eigenen Land angefeindet wird, während offensichtlich Kräfte aus dem Ausland rekrutiert werden. Ich habe weder etwas gegen Zuwanderung, noch sehe ich alle Honorarärzte durch eine rosarote Brille – es gibt brilliante Honorarärzte, die ihren PJlern mehr beibringen als die hauseigenen Angestellten, die die Klinik mit Ihren Technken und Ihrer Erfahrung bereichern können, und es gibt schwarze Schafe, die als sozial grenzwertig kompetente Aussteiger die Freiberuflichkeit als letzten Weg sehen (das ist aber die Minderheit). Es gibt fantastische internationale Ärzte, die die Forschung vorantreiben oder einfach ehrgeizig und pflichtbewußt Ihre Chance in DE schätzen und nutzen, und es gibt z.B. billigere Ostblockkräfte, deren Gleichgültigkeit nur durch Ihre Unfähigkeit, die Deutsche Sprache zu sprechen und zu verstehen, getoppt wird (mußte ich selber mehrfach sehen, ein Graus und für die patientensicher Kommunikation katastrophal!).

Na ja. Auf jeden Fall wirkte der oben gelinkte Artikel wie eine Karikatur. Mal sehen, was draus wird.

To mention a totally different topic, this is a totally bizarre case of plagiarism (Source: The consumerist).

Basically a writer, whose online blog content had been lifted and printed in a magazine without their consent, was told to be happy enough (apparently they demanded a written apology and small donation to a charity), since they should have been charged for the publishing! Amazing stupidity, especially since the publisher/journalist send her obnoxious and ignorant reply in text form, black on white (email)!

November 4, 2010

„Natürlich“ ist nichts mehr?

Filed under: Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:01 pm

Die spinnen, die Gallier! Dachte ich zumindest. Einerseits homöpathische Präparate aggressiv anfeinden, da ja keinerlei Wirkung nachgewiesen sei (daß man nicht alle über einen Kamm scheren kann, ist klar, aber diese Diskussion ginge hier jetzt zu weit), andererseits alle möglichen Pflanzen zu Arzneien umdeklariert wollen – das machte so gar keinen Sinn. Anscheinend habe ich das nur mißverstanden, aber so ist mir das lieber, puh! 🙂

(Merke: Lesen alleine reicht nicht, man muß es eben auch verstehen [und damit eine ich jetzt mich]; genauso ist es ja mit Statistiken und Studien, mit denen ich auch bedingt auf Kriegsfuß stehe. Ich dachte schon, wir müßten bald um unseren freiverkäuflichen Kamillentee bangen… rückblickend ist das genau überlegt undenkbar, aber zu meiner Entschuldigung bin ich gerade krank, übernächtigt und habe anscheinend noch nicht genug Arzneimittel – nämlich keine – eingeworfen. Vielleicht sollte ich das ändern?! 😉 Das wird mir eine Lehre sein, Originaltexte zu vernachlässigen… v.a., wenn man die Schnauze aufreißen möchte, sollte man wissen, worüber man redet! 😐 )

Danke an Pharmama für ihren Blogeintrag „Keine Handelseinschränkung für Heilpflanzen !„. In den Kommentaren finden sich interessante Erläuterungen zum Thema und Inhalt/Sinn der neuen Richtlinie. Man lernt nie aus!

Mein Geheimtipp für bzw. gegen Erkältungen aller Art: Ingwertee. Frische Knolle schälen (oder nicht), in Scheibchen schnippeln, mit kochendem Wasser übergießen und ziehen lassen. Je länger, desto schärfer! Vorsicht ist geboten, wenn man den Sud des Vorabends am nächsten Morgen trinkt… das bürstet den Hals ordentlich durch! 😮 Schmeckt auch gut mit Zugabe von Lemongrass, Schwarztee und/oder Honig. Damit habe ich in Asien mal eine ganz schreckliche Grippe überlebt. Seitdem ist das Gebräu mein „Lifesaver“ (Lebensretter klingt einfach nicht so gut).

~

Nebenbei erwähnt ist es übrigens schade aber nicht gänzlich überraschend, daß sich auf die E-Petition des Deutschen Hebammenverbandes (siehe meinen Eintrag zum Thema) hin nicht viel geändert hat. Freiberufliche Hebammen sind immer noch mit absurden Versicherungsbeiträgen geschlagen, aber ich hoffe, daß sie trotzdem durchalten und weiter ihre unersetzliche Arbeit leisten.
Ich habe „unserer“ Hebamme vor einiger Zeit, als sie nicht mehr damit rechnen konnte, noch einmal ein kleines Geschenk und ein Trinkgeld von 100% zukommen lassen; für mich als Studenten ist das viel, und sie wollte es erst partout nicht annehmen, aber es war als ehrlicher Dank gemeint und so sagte ich es ihr auch – eine gute Leistung sollte angemessen vergütet werden!

Deppen überall auf der Welt werden für Sch…. bezahlt (nicht zuletzt in Politik oder z.B. der Musikbranche), und die Guten, die gehen leer aus und fragen sich irgendwann resignierend, warum sie das Alles auf sich nehmen. Daher an dieser Stelle meinen aufrichtigen Dank an alle tollen Hebammen da draußen!

Juli 23, 2010

Sag mir, welcher Tag heute ist, und ich sage Dir, ob Du eine Chance hast.

Filed under: gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:44 pm

„The emergency room at that hospital will be closed every weekend until Aug. 2 due to a lack of doctors.“
Health system too sick to keep all ERs fully staffed

The Lillian Fraser is just one of many provincial hospitals where there are closures in the coming months. Two Cape Breton hospitals — New Waterford Consolidated and Northside General — are already on a rotating closure schedule. Fishermen’s Memorial in Lunenburg has been closed overnight for two years due to a lack of nurses, while Digby General is closed on Mondays this month.

Hier gibt es ebenfalls keine 24-h-Abdeckung, andernorts steht man mit einer Verletzung immerhin am Wochenende doof da ( Doctor shortage going to cut emergency room time – indefinitely).

Danke an WhiteCoat und ERP’s erstories.net

Juni 24, 2010

DAC Nachtrag

Filed under: Favoriten,gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:32 pm

Aufgrund technischer Probleme an dieser Stelle nur ein Kurznachtrag zu den DAC-Honorararzt-Highlights des vergangenen Dienstags

– insgesamt recht guter, humorvoller Beitrag von Herrn Hartung zu Honorarärzten und seiner Erfahrung mit Ihnen

– gelungene, angemessene (und dabei nicht polemische i.S. von „auf das Niveau einer Schlammschlacht lassen wir uns nicht herab“) Reaktion von Herrn Schäfer auf den verbalen Schüttler´schen „Fehltritt“ sowie ein weiterer spannender Beitrag über Honorarärzte.

Mehr dazu später…!

Juni 21, 2010

Unfaßbar!

Filed under: Favoriten,gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:04 am

(Basically, the president of one large German anesthesiologists´society made a very disrespectful comment about locum doctors in Germany, who are still „new“ here although it´s an internationally successful or renowned activity form; it´s hard to translate but imagine replacing the „service“ in „health service“ with „mischief“.)

Im Focus Online-Artikel „Narkoseärzte haben es sich bequem gemacht“ spricht Herr Schüttler wieder einmal vom Honorararzt-UNwesen. Der Artikel ist eine Frechheit und entbehrt nicht unbedingt einer gewissen Stammtisch-Dynamik.*
Mehr dazu später…

Zum eigentlichen Affront, dem Thema freiberuflicher Anästhesisten:
Ich halte die Entwicklung dennoch für sehr problematisch, weil bei Honorarärzten die üblichen Mechanismen der Qualitätssicherung nicht greifen. Sie kommen und gehen, sind nicht eingebunden in ein Team. Das Honorararzt-Unwesen ist der Feind einer qualitativ hochwertigen Medizin. Viele Krankenhäuser kämpfen deshalb darum, diese Entwicklung wieder rückgängig zu machen.
“ (Zitat Schüttler)

Die Unseriösität dieser Aussage raubt mir den Atem! Der von mir fett hervorgehobene Satz ist in seiner Polemik kaum zu übertreffen.
Auch Honorarärzte sind, wie alle Ärzte, an die gleichen ärztlichen Pflichten gebunden und müssen sich an die Qualitätsregeln halten, zudem sind Honorarärzte zu großen Teilen aus der Klinik „ausgestiegene“ Fachärzte mit einem großen Erfahrungsschatz, auch ehemalige Oberärzte oder Chefärzte.
Wer sich in Teams nicht einarbeiten kann, wird in der Regel nicht Honorararzt (oder sollte es sich zumindest nochmal überlegen), aber auch der sozialverträglichste Honorararzt kann nichts ausrichten, wenn er mit einem „kaputten“ und von Neid, Mißgunst, Frust und Resignation geprägten „Team“ (das der Bedeutung des Begriffs kaum noch gerecht wird) oder einer Klinik mit suboptimaler Infrastruktur konfrontiert wird.

Anstatt das Potential zu sehen, daß in gezieltemEinsatz von Honorarkräften besteht, fällt er ihnen – scheinbar aus persönlicher Laune heraus und nicht fundiert – in den Rücken. Ohne Studien oder andere Quellen anzuführen, aus denen er seine „Erkenntnisse“ zieht. Das ist in meinen Augen reine Stimmungsmache!

Was den letzten Teil des Zitates angeht, da müssen die Krankenhäuser doch nicht kämpfen – bezahlt eure Ärzte angemessen, entlastet sie, anstatt sie untereinander auszuspielen (u.a. aber nicht ausschließlich z.B. furch Honorarkräfte, die Krankenvertretungen übernehmen anstatt die Kollegen, die frei hätten, in den Dienst zu erpressen), bezahlt die Überstunden und bietet eine gute Weiterbildung an. Behandelt eure Studenten und PJler nicht wie Dreck und unbezahlte Sklaven, wenn ihr das Fach und die Arbeit in der Klinik generell attraktiv halten wollt. Ist das so schwer zu verstehen? Ich fass es einfach nicht.

Unter Firefox scheint die Kommentarfunktion der Focus Online-Seite übrigens nicht wirklich gut zu funktionieren, Safari hat hier ausnahmsweise bessere Dienste geleistet. Gerade durfte ich abr feststellen, daß der Admin der Seite Kommentare, die „gegen die Netiquette verstoßen“ nicht veröffentlicht… wer kommentieren will, muß sich also Worte der Kritik wie „Stammtischniveau“, „unseriös“ und „polemisch“ verkneifen.


Seinem Fach tut er wirklich (k)einen großen Dienst. Er kritisiert, daß sich „viele Kollegen“ in „trügerischer Sicherheit“ wiegen, wobei fraglich ist, ob er damit nicht größtenteils Honorarärzte (von denen schätzungsweise über 30% Anästhesisten sind) meint. Vielleicht klingt das aber nur für mich so.
Im Artikel beruft er sich auf neue Studien (ohne genaue Quellenangabe), denen zufolge „jeder 10.000. Patient im Anschluss an eine Narkose stirbt“, während es in den 90ern noch jeder 250.000. Pt. gewesen sei… (Nun, wenn man sieht, was für multimorbide Wracks – ich benutze diesen Begriff jetzt mal provozierend und ganz und gar nicht politisch korrekt – heutzutage noch in den OP geschoben werden, wundert es einen nicht, daß relativ mehr Patienten versterben, falls diese Daten denn stimmen sollten – das schlimmste, was ich mal sehen „durfte“ war die uralte Mamma-Ca.-Oma, die sie ungelogen mit annähernder Schnappatmung in der Einleitung abgeben wollten… wie ticken die denn?!).
Herr Schüttler ist sich der erhöhten (Multi-)Morbidität der heutigen Patienten anscheinend auch bewußt und sagt einerseits, daß man das reine Narkoserisiko kaum abschätzen könne, da sie „untrennbar mit der Operation an sich verbunden“ seien; daß die OP auch ein Problem sein könne, schließt er unmittelbar danach allerdings wieder aus. Am witzigsten finde ich noch die Bemerkung, daß es bei der Sterbehäufigkeitsauswertung der Studien um Eingriffe unter Anästhesie ginge… ist ja irgendwie klar, daß bei einer Fingernagel-OP in Lokaler das Sterberisiko geringer ist, und wie viele „größere“ OPs ohne Anästhesie gemacht werden, möchte ich gerne mal wissen. Daten über die Sterbehäufigkeit bei großen Eingriffen ohne Anästhesie gab es vermutlich eher zu Zeiten der Feldlazarett-OPs an der Front… (Hier ham‘ se ihren Beißkeil, Herr Müller) :/
Wie gesagt, da tut er seinem Fach einen tollen Dienst, will er so den Nachwuchs ansprechen? Eher nicht.

Juni 20, 2010

„Honorarärzte“ beim DAC 2010

Filed under: Favoriten,gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 7:40 pm

Zum heißen Thema Honorarärzte gab es bislang wenig auf dem Deutschen Anästhesiecongress, aber hier immerhin die bisherigen Highlights (sowohl in positivem als auch negativem Sinne, alles ohne Gewähr, da meinem nach nur einem Kaffee noch von Morgenmüdigkeit gelöcherten Hirn und einigen wenigen Notizen geschuldet):

Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Schütter, Kongress-Präsident und Präsident der DGAI äußert den unschmeichelhaften Begriff „Honorararztunwesen“. Na vielen Dank auch. ;-(

Dr. Nicolai Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Honorarärzte aus Potsdam spricht über das Thema „Stört der Honorararzt unsere Strukturen? Der Honorararzt stört unsere Strukturen nicht!“ und stellt u.a. kurz die Honorararztstudie vor, die sich um eine Bestandsaufnahme der insgesamt tätigen Honorarärzte in DE bemüht (im Ausland sind „Locums“ oder Locum Doctors“ längst nichts Exotisches mehr, aber wir hinken ja immer etwas hinterher…). Das im Titel bereits angedeutete potentielle Risiko der Freiberufler, mit bestehenden Strukturen störend zu interagieren, führt er auf eben diese Strukturen zurück und verweist auf die seit 1993(?) bestehenden Veränderungen in den medizinischen Abteilungen sowie im System der Krankenhausfinanzierungen.
Letzten Endes könnte man unterstellen, daß es die Natur der aktuellen Strukturen sei, die viele Ärzte in die Flucht (in diesem Falle ins Honorararztwesen) treibe.
Kurz erklärt gab es in den Neunzigern eine Kehrtwendung der Zweck-Mittel-Relation um 180 Grad und aus Geld als Mittel zum Zweck (nämlich der Patientenversorgung) wurde das heute bestimmt jedem bekannte Konzept des Erwirtschaften von Gewinnen, in dem die Patienten Mittel zum Zweck sind (u.a. durch Fallpauschalen, gesetzliche Budgetkürzungen, DRG-System**), Vieles unter dem Deckmantel der „Ökonomisierung“. Daß Medizin so keinen oder zumindest weniger Spaß macht muß man glaube ich nicht erklären, und es wird auch kaum jemanden wundern.

(Man könnte sagen, das kommt davon, wenn man Marktwirtschaft im Gesundheitswesen will.
Daß Chefärzte heute nicht mehr „Chefs“ im früheren Sinne sind ist ebenfalls bekannt (das erklärt auch, warum so ein – der lokalen Hierarchie teilweise entrückter – „Gast-Arzt“, der im normalen Rahmen der klinischen Tätigkeit(!) sein eigener Chef ist, das sowieso stark angeknackste Ego der alten „Chefs“ reizt.)

Demgegegenüber folgt der Vortrag von Prof. Dr. med. Thomas Möllhoff aus Aachen mit dem Titel „Der Honorararzt stört unsere Strukturen wohl!“, der überwiegend von Negativerfahrungen einiger Kliniker berichtet – trotz der (bereits scheinbar) manipulativ gewählten Reihenfolge der Vorträge überzeugt seine Argumentation nicht wie (wahrscheinlich) erhofft, wie man auch an der Abschlußdiskussion spüren kann. Die zum Negativthema ca. 20(!) befragten Chef- bzw. Oberärzte sind letztendlich statistisch nicht wirklich relevant. Und ganz im Ernst, schwarze Schafe gibt es überall, und zwar in Normalverteilung!

Am Dienstag gibt es meines Wissens Weiteres zu Honorarärzten im Rahmen des „Seminars für Ärzte in Leitungsfunktionen“ im Saal Istanbul, man darf gespannt sein.

(**Zu diesem Thema gab es übrigens vor einiger Zeit einen wie ich finde sehr schönen Beitrag auf ARD bzw. ARD Extra, der in der Mediathek als Videostream zu finden ist: Auslaufmodell Landarzt. Hier berichtet Landarzt Michael Sturm über die Konflikte, die Fallpauschal-assoziiert gerade auch im Umgang mit chronisch kranken Patienten auftreten, und natürlich über Nachwuchsmangel.)

Ach so! Ein weiteres, zwar DAC-fernes aber dennoch absolutes Highlight hier in Nürnberg ist natürlich der Schweineschulterkrustenbraten mit rohem Kloß und Sauerkraut! Ein Gedicht! Da sage noch mal jemand, daß sich Reisen zu Kongressen nicht lohnen würden! 😉 Die Nürnberger Würschtl sind selbstredend auch schwer zu schlagen.

Juni 9, 2010

Wer braucht schon Bildung?!

Filed under: gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 10:20 am

Tragisch: der Fall der Uni Lübeck (beinahe vergessen aber wiederentdeckt bei Medizynicus hier. Gute Ausbildungsstätten sollen schließen, während nur auf dem Papier Gute, wie z.B. die Charité, Geld zum Neubau maroder Strukturen verpulvern wollen. Die Rente ist so allerdings gesichert – ein guter Facharzt wird in einigen Jahren wohl auch mit 70+ noch eine Anstellung finden… ;‘-(

Wie der Landarsch zitiert: Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) hat sich in der Fragestunde des Potsdamer Landtags gegen die Ausbildung von Humanmedizinern in Brandenburg ausgesprochen. Sie begründete dies mit zu hohen Kosten. Die FDP hatte kürzlich eine Mediziner-Ausbildung gefordert, um dem Ärztemangel auf dem Land abzuhelfen.
Da fehlen einem doch die Worte und rollen sich die Fußnägel auf! Traurig ist das.

Mehr hier.

Teste sich, wer wolle

Filed under: gesehen und gehört,Gesundheitssystem — arzt4empfaenger @ 9:31 am

Lassen Sie mich durch, ich werde Arzt! Der Medizinertest (in Auszügen) zum selbsttesten, gelesen bei Doc Blog.

Ich persönlich liege im Mittelfeld (10/15), wobei ich alle der anfänglichen Bilderschnipsel-Zuordnungsaufgaben richtig gelöst, dafür aber wie erwartet bei den mathematisch angehauchten Fragen und mindestens einem Diagramm versagt habe.

Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wofür einen die Bilder am Anfang denn qualifizieren bzw. was dieser Abschnitt mit der Eignung zum Mediziner zu tun haben soll? Ist es für einen Pathologen essentiell, zu sehen, daß die Tumorzellen wie gesehen in Schnittpräparat XY der Abb. 132a(alpha)3 aus dem Bilderatlas auf S. 285 entsprechen, nicht aber denen der Abb. 132a(alpha)3b-d?
Scherz beiseite. Gut, wahrscheinlich geht es um die allgemeine Beobachtungsgabe und ob man nach einem flüchtigen Blick gleich das erstbeste, richtig Erscheinende wählt oder nicht, und das auf Zeit. Auf jeden Fall kann die ersten Fragen jeder lösen, der ein Talent für Fehlersuchbilder hat („Finde die sieben Fehler auf Tante Margas blumengemusteter Putzschürze“…).

Interessanter wäre es doch, wenn nach der Gesamtauswertung auch eine Empfehlung bzw. nicht-Empfehlung ausgesprochen würde, was Fachgebiete angeht. Wer auf jeden Fall so lange über Zahlen nachdenken muß wie ich, sollte bestimmt weder klinischer Chemiker noch Internist (Nierchen…) werden. Dafür kann ich z.B. gut zeichnen. Anästhesie hallo(?) – „und hier, sehen sie, ungefähr soooo *hemmungsloses Kindergartengekritzel* sieht es da aus an der Wirbelsäule, und daaaaa *Pfeile, Kreise, mehr Gekritzel* kommt die Nadel dann rein. 😀 “
Ist natürlich alles nicht ganz ernst gemeint, ich liebe die Anästhesie/Intensivmedizin doch sehr.
Auch in der Sport- oder Rechtsmedizin hilft dann das Talent der Fehlersuche in den Bildern: „Heh! DAS Messer/der Frakturspalt war im Anatomieatlas aber NICHT eingezeichnet!“… ;-P

Es gibt meiner Meinung nach keine Möglichkeit, diesen Test wirklich ernst zu nehmen. Hätte ich ihn gemacht und bestanden, hätte das nicht bewiesen, daß ich geeignet gewesen wäre! Da gibt es noch einige andere Faktoren, die meiner Meinung nach wichtiger sind. Vom psychologischen Profil her muß ein angehender Arzt z.B. bereit sein, nach endlosen Jahren des verschulten und oft schlecht gelehrten Studiums für wenig Gegenlohn, sowohl in Bezug auf monetäre Vergütung als auch Ansehen, eine Menge zu tun, oft mit großer Verantwortung und in der Regel mit wenig Freizeit. Wer in diesem Sinne „darauf steht“, lange Dienste zu schieben, ohne angemessene Pausen zu erhalten (weil es oft einfach nicht geht), könnte auch Fernfahrer werden.

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