Arzt4Empfaenger's Blog

Mai 14, 2010

Markenidiotie und Namensterben

Filed under: Favoriten,gesehen und gehört — arzt4empfaenger @ 9:57 pm

„Raider“ wurde „Twix“, „Werthers (grammatikalisch korrekte) Echte“ wurden zu „Werther’s Original“ (Englische Schreibweise). „Die Cuty Bank“ wurde zur „Targo Bank“, Die „Hamburg Mannheimer“ wird „Ergo“ und „entläßt“ den guten, lang bewährten „Herrn Kaiser!“.

Sogar „Käpt’n Iglo“ wurde vor einigen Jahren zu meinem Schrecken „berentet“ und durch einen jungen, schwarzhaarigen Kerl mit Dreitagebart ersetzt, der wahrscheinlich eher die Hausfrauen und Mütter ansprechen sollte als den Markennamen mit Würde zu tragen. Was habe ich mich aufgeregt, aber zum Glück schien es anderen auch so zu gehen und der Jungspund verschwand wieder in der Versenkung. Vielleicht sollte er auch einfach mit seinem jugendlichen Charme die Kinder mehr begeistern – denn wir alle wissen ja, daß der kluge Werbekopf den Nachwuchs ansprechen muß, wenn ein Produkt gekkauft werden soll – aber selbst das konnte und kann ich nicht nachvollziehen. Der Weihnachtsmann oder Sankt Nikolaus wird schließlich auch nicht plötzlich als Student vorgestellt (auch wenn oft einer drinsteckt😉 ).

Das Brandt Zwiebackbaby wechselte still und leise, aber als der Kinderschokoladenjunge ersetzt wurde, war die Akzeptanz nicht gerade vorbildlich; die Anti-Kevin-Kampagne steht für sich.

Jetzt zieht „Calgonit“ nach und nimmt den Namen seines ausländischen/eglischsprachigen Zwillings „finish“ an. Als ich es gerade in der Werbung hörte, konnte ich mir das Augenrollen nicht verkneifen.

calgonit

Was für Idioten gibt es eigentlich in den Reihen der deutschen Werbefritzen?! Ein jahrelang etablierter Name wird einfach geändert. Meiner Meinung nach ist das genauso dämlich wie der willkürliche Wechsel von Düften und Werbejingles (-melodien). Penaten Puder wird blumiger im Duft, das Babyöl ebenfalls; anstatt einfach das Original als solches zu belassen und noch eine weitere Duftrichtung herauszubringen, wird es eingestellt. Absolut unglaublich in Zeiten, in denen es sowieso schon viel zu viele Duftvarianten gibt. Feuchtes Toilettenpapier und Slipeinlagen in Kamille, Aloe, Meeresbrise, Dschungelaroma, Patchouli-Banane-Mango – wo führt das hin? Letztendlich hat der Kunde die Auswahl zwischen dreißig Gestanksvarianten und vergeht u.U. in ewiger Nostalgie auf der Suche nach dem nicht mehr vorhandenen Original. Ich habe noch eine alte Babyölflasche, an der ich, als ich sie in einem Karton gefunden habe, sehnsüchtig geschnuppert habe. Irgendwann ist sie ranzig und der Duft der Kindheit wird verschwunden sein. Ein Trauerspiel.

Zuück zum Stein bzw. Diamanten des Anstoßes. Neben der Tatsache, daß „finish“ vor einem protzigen Diamanten klein erscheint und nicht die Klasse des Calgonits mit seinem dezent strahlenden i-Punkt hat,

„Lagnese“ heißt im Ausland „Wall’s“, Burger King ist in Australien z.T. als „Hungry Jack’s“ bekannt (Letzteres hat eigentlich eine eigene Geschichte und paßt nicht ganz in das typische Schema; in Australien gibt es daher BK und HJ parallel). Nicht jeder Name muß weltübergreifend angeglichen werden, um die Produkte erfolgreich zu machen.

Auf der Webseite heißt es, daß „Viele Verbraucher“(…) „schon bemerkt haben, dass seit Juli 2008 jede CALGONIT-Packung ein kleines FINISH-Logo ziert. Reckitt Benckiser vereinheitlicht damit weltweit den Markenauftritt seiner Geschirrspülprodukte.

In einigen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien und Italien, tragen die Produkte schon heute den neuen Namen „FINISH“. Ab 2010 wird auch die deutsche Produktpalette namentlich angeglichen. Ansonsten bleibt die seit 80 Jahren bekannte Traditionsmarke, was sie ist: Die von Geschirrspül-maschinenherstellern am häufigsten empfohlene Marke. Auch wenn CALGONIT demnächst FINISH heißt, eins bleibt garantiert: Die bewährte Qualität.“

Hmpf. Mir wäre der bewährte Name lieber. Noch ein englischer Name auf der Produktpalette, noch ein unbekanntes Logo in vertrauter Schriftart und Farbe. Um modern zu sein und im internationalen Wettbewerb gut dazustehen müssen wir nicht alles mit Anglizismen versehen. Die Engländer z.B. würden ja auch nie auf die Idee kommen, ihre Produkte mit deutschen Namen zu beglücken.

Alles Humbug!

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